Räder und Rollen - Leitfaden

Räder und Rollen für Hubwagen: der praktische Auswahl-Leitfaden
Die richtigen Räder und Rollen beeinflussen, wie leicht, leise und zuverlässig sich ein Hubwagen bewegen lässt. Entscheidend sind vor allem die Bodenbeschaffenheit, das Gewicht der Lasten, die Einsatzhäufigkeit und die Arbeitsumgebung.
Polyurethan eignet sich für viele typische Anwendungen im Lager. Gummi bietet guten Grip und einen besonders leisen Lauf. Polyamid beziehungsweise Nylon überzeugt auf glatten, harten Böden durch seinen geringen Rollwiderstand. Tandem-Gabelrollen sind insbesondere bei unebenen Böden und Bodenschwellen von Vorteil.
In diesem Leitfaden erfahren Sie, welche Räder und Rollen zu Ihrem Hubwagen und Ihrem Einsatzbereich passen.
Welche Räder und Rollen hat ein Hubwagen?
Bei Hubwagen werden je nach Fahrzeugart unterschiedliche Räder und Rollen eingesetzt. Sie übernehmen das Lenken, Tragen, Stabilisieren und – bei elektrischen Geräten – den Antrieb.
Lenkräder
Die Lenkräder befinden sich im Bereich der Deichsel. Sie haben einen vergleichsweise großen Durchmesser und ermöglichen das Lenken und Manövrieren des Hubwagens.
Das Material der Lenkräder beeinflusst unter anderem:
- den Rollwiderstand,
- die Geräuschentwicklung,
- den Grip,
- die Bodenschonung,
- den Fahrkomfort.
Für häufig wechselnde Einsatzbedingungen sind Polyurethan-Lenkräder meist eine gute Universallösung. Auf feuchten oder unebenen Böden können Gummiräder Vorteile bieten.
Gabelrollen beziehungsweise Lastrollen
Die Gabelrollen befinden sich unter den Gabelarmen und tragen einen großen Teil der aufgenommenen Last. Sie werden deshalb auch als Lastrollen oder Laufrollen bezeichnet.
Gabelrollen sind als Einfach- oder Tandemrollen erhältlich. Welche Ausführung geeignet ist, hängt vor allem vom Boden, von den zu überwindenden Schwellen und von der Einsatzintensität ab.
Einfahrrollen
Einfahrrollen sind kleine Rollen an den Gabelspitzen. Sie erleichtern das Einfahren in Paletten und helfen dabei, die Gabeln über die unteren Palettenbretter zu führen.
Besonders beim Quereinfahren in Europaletten können Einfahrrollen die Handhabung deutlich erleichtern.
Antriebsrad und Stützräder bei Elektrohubwagen
Elektrische Niederhubwagen und Hochhubwagen verfügen zusätzlich über ein Antriebsrad. Dieses überträgt die Antriebskraft auf den Boden.
Je nach Fahrzeugkonstruktion sorgen zusätzliche Stützräder für Stabilität, insbesondere bei Kurvenfahrten oder beim Überfahren kleiner Unebenheiten.
Welches Material eignet sich für Hubwagen-Räder und -Rollen?
Das Material entscheidet darüber, wie leicht der Hubwagen rollt, wie gut er Unebenheiten dämpft und wie stark Boden, Rollen und Bedienpersonal beansprucht werden.
Polyurethan-Rollen: der vielseitige Allrounder
Polyurethan, häufig als PU abgekürzt, verbindet einen relativ leisen Lauf mit hoher Belastbarkeit und guter Verschleißfestigkeit.
Vorteile von Polyurethan:
- geräuscharmer Lauf,
- geringer Rollwiderstand,
- bodenschonend,
- abriebfest und langlebig,
- für viele Hallenböden geeignet,
- gute Eignung für regelmäßige Einsätze.
Polyurethan-Räder und -Rollen eignen sich besonders für Lager, Werkstätten, Produktionsbereiche und Versandzonen mit glatten bis leicht unebenen Böden.
Geeignet für: universelle Anwendungen, häufige Nutzung, harte oder empfindlichere Hallenböden.
Gummiräder: leise und griffig
Gummi bietet eine gute Dämpfung und einen hohen Fahrkomfort. Das Material passt sich kleinen Unebenheiten besser an als harte Rollenmaterialien und bietet auch auf feuchten Oberflächen guten Grip.
Vorteile von Gummi:
- besonders geräuscharmer Lauf,
- gute Stoß- und Vibrationsdämpfung,
- gute Bodenhaftung,
- geeignet für leicht unebene Böden,
- bodenschonend.
Durch das weichere Material kann der Rollwiderstand höher sein. Das macht sich vor allem beim manuellen Transport schwerer Lasten bemerkbar.
Geeignet für: lärmsensible Bereiche, feuchte Böden, leicht unebene Fahrwege und Anwendungen, bei denen Fahrkomfort wichtig ist.
Polyamid- beziehungsweise Nylonrollen: leichtgängig und belastbar
Nylon ist eine gebräuchliche Bezeichnung für Polyamid. Das harte Material besitzt einen niedrigen Rollwiderstand und lässt sich auf glatten Böden besonders leicht bewegen.
Vorteile von Polyamid beziehungsweise Nylon:
- geringer Rollwiderstand,
- hohe Belastbarkeit,
- verschleißarm,
- widerstandsfähig gegen viele Öle und Chemikalien,
- leicht zu reinigen.
Auf unebenen Böden erzeugen die harten Rollen jedoch stärkere Stöße und deutlichere Laufgeräusche. Für empfindliche Bodenbeläge sind sie nur eingeschränkt geeignet.
Geeignet für: glatte, ebene und harte Industrieböden, schwere Lasten und Umgebungen mit hohen Hygieneanforderungen.
Stahlrollen: für spezielle Einsatzbedingungen
Stahlrollen sind besonders hart, belastbar und verschleißfest. Auf glatten und widerstandsfähigen Böden können sie sehr leicht rollen.
Sie verursachen jedoch hohe Laufgeräusche, dämpfen Unebenheiten kaum und können empfindliche Böden beschädigen. Stahlrollen sollten deshalb nur für dafür vorgesehene Spezialanwendungen und entsprechend den Herstellervorgaben verwendet werden.
Geeignet für: spezielle Schwerlast- oder Hochtemperaturanwendungen auf widerstandsfähigen Böden.
Die tatsächliche Eignung hängt immer von der konkreten Rollenausführung, dem Fahrzeugmodell und den Herstellervorgaben ab.
Polyurethan, Gummi oder Nylon: Was ist besser?
Ein grundsätzlich „bestes“ Rollenmaterial gibt es nicht. Die richtige Wahl richtet sich nach dem Einsatz:
- Polyurethan ist die geeignete Universallösung für viele Lager- und Produktionsbereiche.
- Gummi empfiehlt sich bei hohen Anforderungen an Geräuscharmut, Dämpfung und Bodenhaftung.
- Polyamid oder Nylon eignet sich besonders für glatte, harte Böden und schwere Lasten.
- Stahl sollte speziellen, dafür vorgesehenen Anwendungen vorbehalten bleiben.
Werden schwere Lasten regelmäßig manuell bewegt, spielt auch der Rollwiderstand eine wichtige Rolle. Auf einem glatten Boden können härtere Rollen den erforderlichen Kraftaufwand reduzieren. Bei Schwellen oder Unebenheiten bieten weichere Materialien hingegen mehr Fahrkomfort.
Tandemrollen oder Einfachrollen?
Neben dem Material ist die Bauform der Gabelrollen entscheidend.
Tandem-Gabelrollen
Bei Tandemrollen befinden sich zwei hintereinander angeordnete Rollen unter jedem Gabelarm. Dadurch verteilt sich die Last auf mehrere Rollen.
Vorteile von Tandemrollen:
- ruhigerer Lauf auf unebenen Böden,
- leichteres Überfahren kleiner Schwellen,
- bessere Lastverteilung,
- geringere punktuelle Belastung,
- gute Eignung für regelmäßige und intensive Einsätze.
Tandemrollen sind besonders sinnvoll, wenn der Hubwagen häufig über Übergänge, Fugen, Ladebordwände oder kleinere Bodenunebenheiten bewegt wird.
Einfach-Gabelrollen
Bei Einfachrollen befindet sich jeweils eine Rolle unter jedem Gabelarm.
Vorteile von Einfachrollen:
- gute Manövrierbarkeit auf ebenen Böden,
- einfache Konstruktion,
- weniger Bauteile,
- geeignet für kurze Transportwege und glatte Fahrflächen.
Einfachrollen sind eine gute Wahl für ebene Lagerböden, schmale Bereiche und Anwendungen ohne größere Bodenschwellen.
Entscheidungshilfe
Tandemrollen wählen Sie bei:
- unebenen Böden,
- häufigen Bodenschwellen,
- regelmäßigen Transporten,
- hohen Lasten,
- langen Fahrwegen.
Einfachrollen wählen Sie bei:
- glatten und ebenen Böden,
- kurzen Transportwegen,
- beengten Arbeitsbereichen,
- gelegentlicher Nutzung.
So wählen Sie die passenden Hubwagenrollen aus
Berücksichtigen Sie bei der Auswahl die folgenden Punkte:
Fahrzeugmodell und Abmessungen prüfen
Rollen sind nicht universell austauschbar. Prüfen Sie deshalb:
- Rollendurchmesser,
- Rollenbreite,
- Achsdurchmesser,
- Nabenlänge,
- Lagerausführung,
- zulässige Tragfähigkeit,
- Hersteller- und Modellfreigabe.
Abweichende Durchmesser können die Bodenfreiheit, die Gabelhöhe und die Lastverteilung des Hubwagens verändern.
Bodenbeschaffenheit beurteilen
Für glatte Industrieböden eignen sich andere Rollen als für Pflaster, Fugen oder Schwellen.
Glatte Böden: Polyamid oder Polyurethan
Empfindliche Böden: Polyurethan oder Gummi
Feuchte Böden: Gummi beziehungsweise dafür geeignete Spezialausführungen
Böden mit Schwellen: Tandemrollen und dämpfende Materialien
Lastgewicht berücksichtigen
Je höher die regelmäßig transportierten Lasten sind, desto wichtiger sind Tragfähigkeit, Rollwiderstand und Belastbarkeit der Rollen.
Verwenden Sie ausschließlich Rollen, die für das Fahrzeug und dessen maximale Tragfähigkeit freigegeben sind.
Einsatzhäufigkeit einplanen
Bei täglicher oder mehrschichtiger Nutzung sind verschleißfeste Materialien und hochwertige Lager besonders wichtig. Bei gelegentlichen Transportaufgaben kann eine einfachere Ausführung ausreichend sein.
Arbeitsumgebung beachten
Besondere Anforderungen können sich ergeben durch:
- Nässe oder Feuchtigkeit,
- Öl und Fett,
- Säuren oder Laugen,
- intensive Reinigungsverfahren,
- hohe oder niedrige Temperaturen,
- Hygieneanforderungen,
- elektrostatische Aufladung.
Für solche Einsatzbereiche sollten nur ausdrücklich geeignete Rollen verwendet werden.
Geräusch und Ergonomie berücksichtigen
In Verkaufsräumen, Krankenhäusern, Büroumgebungen oder lärmsensiblen Produktionsbereichen sind geräuscharme Rollen besonders wichtig.
Bei manuell bewegten Hubwagen wirkt sich ein geringer Rollwiderstand außerdem direkt auf den erforderlichen Kraftaufwand aus.
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Die passenden Räder und Rollen reduzieren den Rollwiderstand und damit den Kraftaufwand beim Bewegen eines Hubwagens. Für einen ergonomischen Arbeitsalltag ist jedoch auch die richtige Körperhaltung entscheidend. Erfahren Sie in unserem Ratgeber Richtig heben und tragen, wie Sie Ihren Rücken schonen und typische Fehlbelastungen vermeiden.
Woran erkennt man verschlissene Hubwagenrollen?
Kontrollieren Sie die Rollen regelmäßig. Typische Anzeichen für Verschleiß sind:
- sichtbare Risse oder Ausbrüche,
- abgeflachte Stellen,
- ungleichmäßig abgenutzte Laufflächen,
- starke Laufgeräusche,
- Vibrationen beim Fahren,
- schwergängiges Lenken,
- seitliches Spiel,
- blockierte oder beschädigte Lager,
- einseitiges Ziehen des Hubwagens.
Beschädigte Rollen erhöhen den Kraftaufwand und können weitere Bauteile des Hubwagens belasten. Der Austausch sollte deshalb rechtzeitig und entsprechend den Herstellervorgaben erfolgen.
Tipps für eine lange Lebensdauer
Entfernen Sie regelmäßig Folienreste, Schnüre, Verpackungsbänder und Schmutz von den Rollen und Achsen. Fremdkörper können sich um die Lagerung wickeln und die Rollen blockieren.
Achten Sie außerdem auf folgende Punkte:
- Rollen und Lager regelmäßig kontrollieren,
- beschädigte Rollen zeitnah austauschen,
- zulässige Tragfähigkeit nicht überschreiten,
- aggressive Reinigungsmittel nur bei geeigneten Materialien verwenden,
- Rollen eines Rollenpaares möglichst gemeinsam ersetzen,
- unterschiedliche Rollendurchmesser oder Materialien nicht unkontrolliert kombinieren.
Häufige Fragen zu Hubwagen-Rädern und -Rollen
Welche Rollen sind für einen Hubwagen am besten geeignet?
Das hängt vom Boden und vom Einsatz ab. Polyurethan ist für viele Lageranwendungen eine gute Universallösung. Gummi ist leise und griffig, während Polyamid beziehungsweise Nylon auf glatten Böden einen besonders geringen Rollwiderstand bietet.
Was ist besser: Polyurethan oder Nylon?
Polyurethan läuft leiser, dämpft Stöße besser und schont empfindlichere Böden. Nylon beziehungsweise Polyamid rollt auf glatten Böden besonders leicht und ist hoch belastbar, verursacht aber mehr Geräusche und überträgt Unebenheiten stärker.
Sind Gummi- oder Polyurethanrollen leiser?
Gummi ist in der Regel besonders geräuscharm und bietet eine gute Dämpfung. Polyurethan läuft ebenfalls leise, besitzt aber meist einen geringeren Rollwiderstand und eine hohe Verschleißfestigkeit.
Wann sind Tandemrollen sinnvoll?
Tandemrollen sind empfehlenswert, wenn häufig Schwellen, Fugen oder unebene Böden überfahren werden. Sie verteilen die Last auf mehrere Rollen und ermöglichen dadurch einen ruhigeren Lauf.
Wann sind Einfachrollen ausreichend?
Einfachrollen eignen sich für glatte, ebene Böden, kurze Transportwege und Arbeitsbereiche, in denen eine gute Manövrierbarkeit wichtig ist.
Was ist der Unterschied zwischen Lenkrädern und Gabelrollen?
Lenkräder befinden sich im Bereich der Deichsel und dienen hauptsächlich zum Lenken. Gabelrollen befinden sich unter den Gabelarmen und tragen einen wesentlichen Teil der Last.
Was sind Einfahrrollen?
Einfahrrollen sind kleine Rollen an den Gabelspitzen. Sie erleichtern das Einfahren in Paletten und das Überwinden der unteren Palettenbretter.
Passen alle Rollen auf jeden Hubwagen?
Nein. Durchmesser, Breite, Achsaufnahme, Lagerung und Tragfähigkeit unterscheiden sich je nach Hersteller und Modell. Orientieren Sie sich an der Betriebsanleitung beziehungsweise Ersatzteilliste des Hubwagens.
Wann müssen Hubwagenrollen ausgetauscht werden?
Ein Austausch ist erforderlich, wenn Rollen Risse, Ausbrüche, abgeflachte Stellen, starkes Spiel oder beschädigte Lager aufweisen. Auch ungewöhnliche Geräusche, Vibrationen oder ein deutlich erhöhter Kraftaufwand können auf verschlissene Rollen hinweisen.
Kann man Hubwagenrollen selbst wechseln?
Bei vielen mechanischen Hubwagen ist ein Rollenwechsel grundsätzlich möglich. Arbeiten an tragenden Bauteilen sollten jedoch nur mit geeignetem Werkzeug, passenden Ersatzteilen und entsprechend den Herstellervorgaben durchgeführt werden. Im Zweifelsfall empfiehlt sich die Durchführung durch einen Fachbetrieb.
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